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am 5. November 2021

Stopp Femizide! – SToP Partnergewalt

Katharina Wegan - Die Gewalt an Frauen* steigt massiv an. Mittlerweile halten wir bei 21 Frauen*morden. Diese traurige Bilanz zeigt, dass wir in Österreich ein massives Problem mit Gewalt an Frauen haben.

Fast jede 5. Frau* erlebt ab ihrem 15. Lebensjahr physische und/oder sexualisierte Männergewalt. Jede 3. Frau* wird ab ihrem 15. Lebensjahr sexuell belästigt. In Österreich wurden bis jetzt im Jahr 2021 21 Frauen* ermordet, 10 davon in Wien. Gefährdet sind Frauen am stärksten, wenn sie sich von ihrem Partner trennen.

Vielfach schrieben Medien in diesen Fällen von „Beziehungstat“ oder „Eifersuchtsdrama“, manche tun es immer noch. Doch die Kritik der Feminist:innen hat einen Perspektivwechsel eingeläutet: Sie legen offen, dass die alte Wortwahl der Frau unterstellt, sie hätte den Mann zu sehr gereizt und wäre selbst schuld an der Gewalt, die er ihr angetan hatte. Zugleich zeigen sie auf, dass Gewalt an Frauen im Frauen*verachtenden, patriarchalen Besitzdenken wurzelt, das auch in der weißen, aufgeklärten Welt tief verankert ist.

Nehmt ihr uns eine. Antworten wir alle!

Allerdings instrumentalisieren konservative und rechtspopulistische Kräfte Gewalttaten an Frauen immer dann, wenn die Täter Flucht- oder Migrationsgeschichte haben, und schüren Hass und Rassismus. Feministische Organisationen haben sich daher verbündet, um öffentlich klar zu stellen, dass jeder Mord an jeder Frau einer zu viel ist. Nach jedem Femizid rufen sie – nach dem Vorbild der lateinamerikanischen Bewegung „Ni Una Menos“ – zu Demo auf, zählen die Opfer und nennen sie namentlich.

Prävention statt Intervention

Die traurige Bilanz von mittlerweile 21 Femiziden ist die faule Frucht der frauenfeindlichen Politik der türkis-blauen Regierung, die das bis dahin ohnehin kleine und stagnierende Frauenbudget von nur 10 Mio. Euro weiter gekürzt und wirksame Gewaltschutzmaßnahmen wie die Fallkonferenzen von Opferschutzeinrichtungen und Polizei abgeschafft hatte.

Die aktuelle Bundesregierung steuert wieder aktiv gegen. Meri Disoski, Grüne Bundesfrauensprecherin, hat bereits im Frühjahr eine Verdoppelung des Frauenbudgets verhandelt und gemeinsam mit Sozialminister Wolfgang Mückstein ein umfassendes Gewaltschutzpaket von 24,6 Mio. Euro aufgelegt. Finanziert werden damit Gewaltschutzeinrichtungen, aber auch Männerberatungsstellen und Ausbildungsmaßnahmen für Polizei und Justiz. Zudem werden jetzt vermehrt auch Projekte und Einrichtungen gefördert, die das Übel bei der Wurzel packen: bei den toxischen Männer- und Rollenbildern und den Sozialbeziehungen, die von ihnen vergiftet werden.

„Könnten Sie mir bitte Zucker borgen?“

Ein Projekt, das äußerst niederschwellig gewalttätigen Beziehungen vorbeugt und nun verstärkt gefördert wird, ist das Nachbarschaftsprojekt „SToP – Stadtteile ohne Partnergewalt“. Unter dem Leitmotiv „Was sagen – Was tun“ werden Frauen und Männer bei Hausbesuchen aktiviert und motiviert, über Partnergewalt zu sprechen und an Frauen*- bzw. Männertischen teilzunehmen. Hier lernen sie einander kennen, reflektieren ihre Rollenbilder kritisch und erfahren, was sie tun können, wenn sie in der Nachbar:innenschaft Gewalt beobachten oder befürchten, dass jemandem Gewalt angetan wird. Zum Beispiel anzuläuten und um Zucker zu bitten oder auf andere unerwartete Weise zu intervenieren.

Kommt SToP Partnergewalt auch nach Hernals?

Drei Jahre läuft SToP bereits erfolgreich in Wien Margarethen. Aus dem Gewaltschutzpaket hat das Ministerium den Grundstein gelegt, dieses städtische Nachbar:innenschaftsprojekt österreichweit auszurollen, und finanziert in Wien den Aufbau von SToP in Favoriten, Gumpendorf und Meidling. Auch in Hernals und in vielen anderen Bezirken setzen wir uns für einen Aufbau des Nachbar:innenschaftsprojekts ein. Es wäre wichtig, dass jetzt auch die Stadt Wien ihren Beitrag leistet und aus den um 3 Mio. Euro erhöhten Mitteln für den Gewaltschutz etwa ein zentrales Büro finanziert. Sie würde damit eine kostengünstige Verwaltung des Projekts sicherstellen. Damit das passiert, arbeiten wir in Wien und in Hernals, hier mit Unterstützung der NEOS, daran. Denn Frauenrechte und der Kampf gegen Gewalt an Frauen muss überparteilich geführt werden!