Postsportplatz: Was sind die Risiken?

Die Neuausschreibung um die Pacht ist eröffnet, die Bürger:innenbeteiligung gestartet.
In der Darstellung klingen die Pläne von Post AG und Stadt Wien zu schön, um wahr zu sein.
Am 6. Oktober 2026 fand der erste Dialogtag zur Zukunft des Postsportplatzes statt. Ein großer Plan am Boden lud zum Eintragen von Wünschen an das neu gestaltete Areal ein.
Die Info-Tafeln der Post AG zeigten Bebauungspläne und warben mit Schlagworten: Sportanlagen modernisieren, Durchwegung verbessern, Grünraum erhalten, leistbaren Wohnraum schaffen, Platz für Kindergarten schaffen, Tiefgaragen bauen. Tolle Bullet-Points, denen wohl jede:r zustimmt.
Misstrauen und emotionale Diskussionen prägten den Tag. Das Areal ist eines der größten Sportareale Wiens – und mit seinem alten Baumbestand ein wertvoller Grünraum.
Info oder Partizipation?
Vertreter:innen der Bürger:inneninitiativen Rettet den Post SV berichten von abgebrochenen Gesprächen mit der Post AG. Besucher:innen des Dialogtags und der Führungen stießen auf ausweichende Antworten.
Die Sorge ist berechtigt: Wird aus der Bürger:innenbeteiligung nur eine Informationsveranstaltung?
Gemeinnütziger Vereins- und Breitensport
Das Sportstättenschutzgesetz verpflichtet die Post AG, alle vorhandenen Sportflächen zu erhalten, doch die Sorge vor einer Filetierung bleibt: Alle vom Post SV aktuell weiterverpachteten Flächen sollen kommerzialisiert werden. 100%ig gemeinnütziger Sport sieht anders aus.
Erhalt von Grünraum & Kaltluftschneise
Die Post AG verspricht, nur bereits versiegelte Flächen zu verbauen. Im Beteiligungsgespräch konnten die Vertreter:innen der Post AG dies aber auf den eigenen Plänen nicht schlüssig darlegen. Die mannigfaltige Kritik der anwesenden Anrainer:innen wurde beschwichtigt: Es würden nur die notwendigste Baumfällungen vorgenommen und nebstbei 6.000 m² entsiegelt.
Der Gedanke drängt sich auf: Alte Bäume durch Neupflanzungen zu ersetzen, wird nicht dieselbe Aufenthaltsqualität im Schatten schaffen – besonders über Tiefgaragen.
Die Pläne sehen eine „maßvolle Wohnnutzung“ am Rand und Gebäudehöhen von 13–35 Metern vor. Expert:innen der Stadt Wien betonen, das Stadtklima (Kaltluftschneise) müsse in jedem Fall berücksichtigt werden, die Gebäudehöhe sei jedoch nicht das Hauptproblem, um den wichtigen kalten Luftzug vom Schafberg bis zum Gürtel zu ermöglichen und so die Feinstaubbelastung in den inneren Bezirken zu entlasten.
Der Gesamteindruck blieb: Man will sich nicht festlegen.

Leistbarer Wohnraum
Die Post AG verspricht ‚leistbaren Wohnraum: 2/3 der Wohnungen sollen gefördert, 1/3 frei finanziert werden. Doch ein Gemeindebau, der echte Leistbarkeit garantiert, fehlt.
Pacht & Flächenwidmung –
der Hebel der Stadt
Die Post AG entscheidet über ihr Gelände – obwohl sie noch immer mehrheitlich im Bundeseigentum steht und das ganze Areal kostenlos erhielt. Die Stadt Wien hat Mitspracherechte: bei Pacht und nicht unerheblich im Flächenwidmungsplan.
Wir fordern daher:
- Stadt Wien als Generalpächterin: So bestimmt sie selbst über das Gelände.
- 100 % der Sportflächen für Vereins- und Breitensport.
- Nur ein Gemeindebau garantiert leistbaren Wohnraum.
- Erhalt aller Bäume und der Kaltluftschneise für Stadtkühlung.
- Echte Partizipation: Sorgen ernst nehmen, klare Zusagen machen
Wie oft wird es die Chance geben, so ein riesiges Areal im dicht verbauten Westen Wiens umzugestalten? Wie oft wird es die Möglichkeit geben, ohne echten Kostendruck, mittels der Schaffung zusätzlicher Wohnungen im Gemeindebau die Mietpreise zu beeinflussen?
Am Postsportplatz könnte Naherholung, Breitensport, Vereinssport und Wohnungsangebot aus Sicht der Stadt Wien zugleich verbessert werden, wenn, ja wenn, die Stadt Wien das nicht der Privatwirtschaft überlässt!